Marke und Mittelstand: ErgoContour

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Tischlermeister erfindet Wasserbett aus Holz

Es klingt fast wie im Märchen: Von Rückenschmerzen geplagt fand der Tischlermeister Klaus Schickling kaum noch Nachtruhe. Stundenlang wälzte er sich im Bett herum und war am Morgen wie gerädert. Es musste doch eine Möglichkeit geben, eine Liegefläche so flexibel zu gestalten, dass sie den Körper unterstützt und entspannt. Aus blanker Not begann er in seiner Tischlerwerkstatt nach der täglichen Arbeit, mit Latten und Umlenkmitteln zu experimentieren. Er ahnte nicht, dass er die Erfindung seines Lebens machen sollte...

Das Ergebnis monatelanger Tüftelei war so genial einfach wie wirkungsvoll: Der sich selbstständig anpassende Lattenrost. Die Leisten schweben über dem Rahmen. Ein mäander-förmig über alle Umlenkrollen geführtes Seil bewirkt, dass eine Bewegung der stark belasteten Leisten nach unten zu einer Bewegung der gering belasteten Leisten nach oben führt. Der Prototyp übertraf alle Erwartungen: Der Tischler schlief fortan wie ein Murmeltier. Der Wunder-Lattenrost wurde patentiert, erhielt den Innovations-Preis des Landes Baden-Württemberg und die Presse berichtete voll des Lobes über die Geschichte vom Tischler mit den Rückenschmerzen.

„Mit gesundem Schlaf an die Spitze der Erfinderkultur... Tischlermeister erfindet Wasserbett aus Holz“ (AZ-Rhein-Main-Presse)

Gemeinsam mit seinem Partner Wilhelm Bohnenkamp gründete Schickling ein Unternehmen, um seine Erfindung unter eigener Regie zu fertigen und zu vertreiben. Projekt Design wurden damit beauftragt, aus dem Lattenrost eine Marke zu machen. Die Gegebenheiten waren gut. Wir hatten ein Pionierprodukt mit Alleinstellungsmerkmal und einer (wahren) „Story“. Um eine neue Schublade im Kopf der Verbraucher zu öffnen, musste ein aussagefähiger Begriff als Markenname geschaffen werden. Wir entschieden uns für ErgoContour, sorgten für den markenrechtlichen Schutz und gestalteten ein Logo, das den dahinter stehenden Gedanken visuell zum Ausdruck brachte.

Dem Denken Gestalt geben

Als ein klares Feindbild hatten wir Deutschlands Krankmacher Nummer Eins: Rückenschmerzen. Jeder zweite ist davon betroffen. Wir schufen den Claim Körpergerecht Schlafen.  Um die Vorteile für den Verwender aufzuzeigen, gliederten wir alle Argumente für das Produkt und veranschaulichten sie durch Piktogramme. Als Begründung unseres Leistungsversprechens (Reason why) wurde die zugrunde liegende Technik erklärt. Um das für Laien schwer verständliche Prinzip auf den Punkt zu bringen, fanden wir auch hierfür eine eigene Begrifflichkeit: Das „Ergonamik-Prinzip“. Das eigens kreierte Ergonamik-Signet erfüllte die Aufgabe eines Gütesiegels und unterscheidet das Original deutlich erkennbar von eventuellen Nachahmern. Als Key Visual diente das Foto einer wohlproportionierten Dame, die - auf dem Lattenrost liegend -, schlief wie auf Wolken. Der Blickwinkel von der Seite veranschaulichte die Arbeitsweise des Ergonamik-Prinzips. Nun wurde eine Argumentationskette für die Abgrenzung zum „Konkurrenten Wasserbett“ geschaffen, indem wir Vor- und Nachteile der Technik gegenüberstellten. Der Sprachgebrauch wurde optimiert und aus dem Lattenrost wurde ein Systemrahmen, aus dem Bett ein Schlafsystem.

Vertrauen aufbauen

Eine solche Innovation muss Vorbehalte überwinden. Es galt also, Vertrauen bei der Zielgruppe aufzubauen. Es konnte ein Facharzt für Orthopädie, Professor der Universitätsklinik Frankfurt am Main, für ein Gutachten gewonnen werden. Der Mann schlief selbst einige Nächte auf dem Lattenrost und bestätigte dessen positive Wirkung in einem fachlichen Gutachten. Es wurden weitere Referenzschreiben von überzeugten Testschläfern gesammelt. Um zusätzlich Vertrauen zu schaffen, bot man den Kunden eine Zufriedenheits-Garantie an: Jeder Kunde kann das Schlafsystem ohne Kaufverpflichtung vier Wochen in seinen eigenen vier Wänden testen. Sollte er nicht überzeugt sein, gibt er es zurück.

Präsenz schaffen

Kommunikationsmittel entstanden und Vertriebswege wurden festgelegt. Um den Verkauf zu unterstützen, wurde das Schlafsystem auf Gesundheitsmessen vorgestellt. Die Verantwortlichen leisteten konsequente Öffentlichkeitsarbeit. In der Folge berichtete die Presse über die Neuigkeit und der MDR strahlte in seiner Sendung „Einfach genial“ eine fünfminütige Reportage über das „hölzerne Wasserbett“ aus. In der Folge stand das Telefon nicht mehr still und eine ganze Lawine von Bestellungen ergoss sich über den kleinen Betrieb. Auch andere TV-Sender und die medizinische Fachpresse griffen das Thema auf. Die Nachfrage stimmte und über 91 Prozent der Test-Besteller waren überzeugt und kauften das System. Ein glücklicher Zufall bescherte der Marke „ErgoContour“ einen weiteren Impuls: Eine Dame erfuhr im Fernsehen von ErgoContour und entschloss sich zur Bestellung. Im Gespräch ergab sich, dass es sich um die Frau des prominenten Traumschiff-Kapitäns Siegfried Rauch handelte. Da klopfte das Glück des Tüchtigen an die Tür der Riedstädter Bettenbauer: der TV-Darsteller war mit dem Schlafsystem so zufrieden, dass er sich zu einem Empfehlungsschreiben bereit erkärte. Eine offizielle Prominenten-Werbung hätte das Budget des Betriebs bei Weitem gesprengt, doch der berühmte Fürsprecher verzichtete auf eine Bezahlung.

Heute hat sich ErgoContour als innovatives Schlafsystem einen Namen gemacht und in Riedstadt tüftelt man schon an den nächsten Innovationen.

 


 ErgoContour im Web