WIE MAN ZUR UNBELIEBTESTEN MARKE DER WELT WIRD
BP und die Logo-Verhunzer
Schmieriger, giftiger Ölschlamm sprudelte wochenlang ungehindert in den Golf von Mexiko. Die Öffentlichkeit ist empört, die Politik machtlos. Das Image des britischen Ölmulti fällt schneller als der Aktienkurs. Doch spektakuläre Protestaktionen, wie bei der geplanten Versenkung der Shell-Plattform Brentspar 1995, gibt es kaum. Die Welt hat sich verändert, die Proteste werden subtiler.
Entlud sich der Volkszorn der ersten Tage in Boykottaufrufen und Farbbeutel-Attacken auf US-Tankstellen, ging es danach im Social Web weiter. Mehr und mehr Menschen machen ihrem Zorn im Internet Luft. Dort tauchen verunglimpfte BP-Logos und sardonische Threads auf und finden über Blogs und Facebook den Weg in die etablierten Medien. Auch professionell produzierte Werbefilme, die in Stil und Aufmachung von BP selbst stammen könnten, übergossen den Konzern mit beißendem Spott. Sie werden als „virales Antimarketing“ von User zu User weitergereicht.
Auf der Greenpeace-Homepage ist zu lesen: „Der Energiekonzern BP steckt bis zum Hals in der braunen Masse. Das Markenzeichen von BP, eine leuchtend grüne Sonne, passt so gar nicht zu seinem dreckigen Geschäft mit dem Öl. Greenpeace sieht dringenden Überarbeitungsbedarf und hat zum Wettbewerb aufgerufen: Gesucht werden Logo-Entwürfe, die zeigen, wofür der Ölmulti wirklich steht.“
Das lassen sich die Anwender nicht zweimal sagen. Fast 2.000 Entwürfe zieren die Online-Galerie. Tendenz steigend.



