Unternehmenskultur - Schlagwort oder Bedingung?

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Dr. Eugen von Lackum über die Rolle von Führung und Mitarbeitern

Unternehmenskultur ist ein Wort im Munde eines jeden Unternehmers und einer jeden Führungskraft und, obwohl unabdingbare Voraussetzung jeden Unternehmenserfolges, doch als Faktum nur schwer auffindbar in vielen Unternehmen. Füllt die Definition des Begriffs Kultur Bibliotheken, so fällt es noch schwerer, Unternehmenskultur zu definieren. Bestimmt man den Begriff Kultur aus dem Gegensatz zur Natur, so beinhaltet Kultur stets den kreativen Akt der bewussten Umgestaltung, während Natur ungehemmte kreatürliche Entwicklung darstellt.

 

Auf der Suche nach einem Definitionsansatz wäre Kultur dann die gewollte Überformung und zielgerichtete Umformung natürlicher Vorgänge. Dies bedeutet bei einer Erweiterung auf den Begriff Unternehmenskultur, die Überformung unverzichtbarer unternehmerischer Erwerbsziele mit Überlegungen zu den Grundlagen und zur sinnhaften Zielerreichung dieses unternehmerischen Bemühens. Jede Umsetzung unternehmerischer Ziele gelingt nur mit Mitarbeitern. Eine Umsetzungsoptimierung wiederum gelingt nur durch einen Prozess der Identifikation aller Unternehmenszugehörigen mit den Unternehmenszielen. Dazu müssen diese den Mitarbeitern klar und nachvollziehbar dargelegt werden, wobei Akzeptanz nur durch Offenheit und Vollständigkeit erzielt wird.

Die Umsetzung in Gemeinschaftsarbeit bedingt Teambildung. Ein Team kann sich nur bilden, wenn jedem Mitspieler die Möglichkeit zur Entwicklung seiner individuellen Fähigkeiten eröffnet wird. Jedem ist daher vorbehaltlos Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit entgegenzubringen. Die Offenheit der Aufnehmenden fordert im gleichen Maße die Integrationswilligkeit jedes Hinzukommenden. Leistungskompetenz muss sich der fairen und angemessenen Leistungskontrolle stellen. Entdeckt diese Kontrolle bei aller gebotenen Behutsamkeit Defizite, ist der Mut von Kollegen wie Vorgesetzten zur Konfliktlösung gefordert. Nur das offene Gespräch kann regelungsbedürftige Fragen klären und hinderliche Reibungsverluste abbauen.

Vor dem Gebot der Konfliktlösung steht jedoch die Maxime der Konfliktvermeidung, zu erzielen durch Gleichbehandlung auf jeder Hierarchieebene und den gebotenen Informationsfluss. Ungleichbehandlung führt zu Argwohn, Mißtrauen und Neid und damit zu Konfrontationen innerhalb jeder gebotenen Ziel- und Zweckgemeinschaft des Unternehmens. Die Gewinnchancen eines Teams vermindern sich proportional zum Konfliktpotenzial innerhalb dieses Teams. Auch hier gilt: Konfliktvermeidung statt Konfliktlösung. Die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten der allgemeinen Regeln guter Umgangsformen gilt es einzufordern: Höflichkeit, noch dazu begleitet von Zuvorkommenheit und Anerkennung, sei es durch das häufig gebotene und manchmal gar geschuldete Wort, sei es durch die stets geforderte indirekte Anerkennung in wohlwollender Akzeptanz des gut erbrachten Arbeitsbeitrages. Jede dieser Anerkennungen wird zu einer erkennbaren Leistungssteigerung des Teams führen.

Dr. Eugen von Lackum ist Geschäftsführer der TLG, des Immobilienunternehmens des Bundes in den neuen Ländern.

(Veröffentlicht in TLG Konkret)

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